Therapie – griechisch therapeia – heißt Dienen. Und das tut unser Pferd seit Jahrtausenden – seit der Mensch es aus seiner wilden Freiheit geholt und es sich zum Gefährten gewonnen hat. Es dient ihm als Wegbegleiter, zum Überleben in Krieg und Frieden – jeder Pferdefreund kann hier ergreifende Beispiele dieser engen Verbundenheit von Pferd und Mensch erzählen.
Dass gemeinsames Bewegen von Pferd und Reiter ein Höchstmaß von Erziehung an Körper, Geist und Seele des Menschen bewirken kann, wussten schon die alten Griechen: Reiten gehörte zu den allumfassenden Übungen. Folglich wurde auch schon früh der günstige Einfluss auf Gesundheitsprobleme des Menschen erkannt und für deren Behandlung nutzbar gemacht. Bereits in der Enzyklopädie von Diderot vor 250 Jahren finden sich Hinweise für ein "Therapiepferd". Diese wunderbaren Fähigkeiten des Pferdes wurden in den letzten 30 Jahren bei uns wieder intensiv wahrgenommen – das Therapeutische Reiten eroberte sich einen festen Platz! Es gibt inzwischen eine enorme Literatur zu diesem Thema – das Literaturverzeichnis des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten alleine umfasst derzeit ca. 800 Angaben.
Mit dem Kind "Lena" soll hier versucht werden, eine Ahnung zu vermitteln vom Wunder Pferd und seinem Dienen als Therapeut...
Lena kann durch eine Entwicklungsverzögerung noch nicht laufen. Dadurch kann sie sich ihre Welt nicht kindgemäß selbst erobern. Diese Wahrnehmungsschulung wäre aber Voraussetzung für eine ungestörte Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes, nicht nur seelisch und geistig, sondern auch körperlich: Die normale Weiterentwicklung der Haltung, Wirbelsäulenfunktion, Brustkorbentfaltung, Kopfhaltung usw. setzt nämlich das Laufenlernen voraus.
Wie aber kann die Haflingerstute Maja Lena helfen? Begegnung mit allen Sinnen – sehen, hören, riechen, fühlen, greifen, Wärme, Zuneigung: Die erste Kontaktaufnahme bringt schon Freude, Erwartung, Vertrauen und fördert die Wahrnehmung des ganzen Umfeldes. Durch die heilsamen Bewegungen und Rhythmen des Pferdes, das durch seine Gangart Bewegungsimpulse überträgt, lernt Lena ein Gefühl für Gehen und Balance in der Vorwärtsbewegung kennen. Das Pferd überträgt ca. 110 vieldimensionale Schwingimpulse pro Minute – Lena reagiert darauf mit Bewegungsantworten. Diese einzigartige Bewegungstherapie schult Gleichgewicht, Feinabstimmung der Bewegungen, Reaktionsfähigkeit, Haltung, Wirbelsäulenfunktion und Aufrichtung. Maja leiht Lena ihre Beine, ihren Körper, ihr Wesen – Lena bewegt sich "alleine" im Raum, überwindet Bewegungsangst, lernt das Planen ihrer Bewegungen: Sie erfährt "spielend" ein Höchstmaß an Therapie...
Voraussetzung für jeden Erfolg ist aber immer die fachgerechte Behandlung. Zusatzausbildungen und Qualifikationen sind daher Bedingung. (Infos: Dt. Kuratorium für Therapeutisches Reiten, Freiherr-von-Langen-Str. 13, 48321 Warendorf)
Dr. med Ingrid Strauß