In den letzten zwanzig Jahren hat sich in der Oberpfalz viel getan im Bereich der Zucht: Beim Bayerischen Warmblut zum Beispiel kann man heute etwa 400 Zuchtstuten in der Oberpfalz zählen. Auch die Haflingerzucht zeigt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend: Die Deckstation in Kemnath und viele hochmoti-vierte junge Züchter lassen sehr positiv in die Zukunft blicken.
Das berühmteste Pferd aus Oberpfälzer Zucht ist wohl immer noch Nepomuk v. Nathusius, gezogen bei Familie Kretzschmer, Fuchsmühl. Er war Gewinner der Bronzemedaille 1988 bei den Olympischen Spielen
in Seoul, Korea. Sein Reiter war der Holsteiner Karsten Huck.
Dieses Pferd hat maßgeblich dazu beigetragen, die bayerische Reit-pferdezucht publik zu machen. Gerade in Norddeutschland geht ja die
Mär um, dass in Bayern nur Kaltblüter und Haflinger gezüchtet werden.
Die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Züchter von Trakehnern, Friesen, dem Süddeutschen Kaltblut, Arabern und vielen verschiedenen Klein-pferderassen sind in der Oberpfalz seit vielen Jahren erfolgreich vertreten und organisiert. Die zuständigen Verbände betreuen über 35 verschie-dene Rassen. Zahlenmäßig betrachtet ist die Bedeutung von Pony- und Spezialrassen in der Oberpfalz vielleicht noch nicht sehr groß – qualitativ allerdings können sich die Zuchtergebnisse absolut sehen lassen. Auf sehr vielen der bayerischen und nationalen Zuchtschauen zum Beispiel...
Unumstritten ist aber natürlich die Kaltblutzucht in der Oberpfalz, speziell im Bayerischen Wald. Haupteinsatzgebiet der Pferde ist dabei die Waldarbeit – und weithin bekannt ist der Kötztinger Pfingstritt, für den viele bäuerliche Züchter ihre Hengste und Stuten bereit halten. In Regen gibt es außerdem alljährlich Ende September einen großen Fohlenmarkt, bei dem etwa 60 Kaltblut- und Haflingerfohlen versteigert werden.
Die Haflingerzucht der Oberpfalz ist klein, aber fein. Dieses charakterfeste Reit- und Fahrpferd ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder optimal für den Basis-Turniersport geeignet. Alois Münch aus Sulzbach-Rosenberg hat den Haflinger darüberhinaus auch als hoch qualifiziertes Pferd für den gehobenen Fahrsport bekannt gemacht. Um die Deckstation Birner in Kemnath, die auch die Aufzucht von Junghengsten betreibt, hat sich die letzten Jahre eine solide, moderne Haflingerzucht gebildet. Bedingt durch die lange Grenze und die direkte Nachbarschaft zu Tschechien haben sich in den letzten Jahren Kontakte zu Aufzuchtbetrieben von Jungpferden im Nachbarland entwickelt. Hier findet nun eine Arbeitsteilung statt, die den Absatzmarkt von Jungpferden fördert.
Pferdeaufzucht jenseits der Grenze, die Ausbildung in der Oberpfalz – eine Symbiose, die aufzugehen scheint... Das Potential ist groß: Etwa 100 Reitvereine wären die Abnehmer von Oberpfälzer Pferden. Die gute, solide Zuchtbasis dafür ist auf jeden Fall da!
Dr. Hartwig Tewes